Fotos Caretera Austral + Puerto Tranquilo, Chile

Mein allerliebstes Großkind hat heute Geburtstag und ist jetzt schon seit 14 Jahren mit mir unterwegs – ein Grund zum Feiern!!! Wie schön Matilda, dass ich dich geboren hab, ich würde dich sonst vermissen jeden einzelnen Tag…

Weil das chilenische Internet eher interessant als nutzerfreundlich ist, hier erstmal schnell Fotos der letzten Tage. Wir sind auf der atemberaubenden Caretera Austral unterwegs, von deren Existenz ich bis vor kurzem noch gar nix wußte.die vielen anderen backpackenden Menschen, die auch hier rumhüpfen schon. Ein Augenschmaus vom Feinsten:

Die mini-Stadt Puerto Tranquilo liegt am bezaubernd türkisblauen größten See Chiles in beeindruckender Bergkulisse:

Bootstour zu den Marmorhölen in und am See:

Bis=

Chiloé, Chile

Liebe Fähr(t)enleser und Erntehelfer,

Ich sitze gerade jetzt auf einer schwankenden Fähre, denn wir fahren endlich Böötchen. Für immerhin 5 Stunden von Quellón im Süden Chiloés nach Chaitén auf dem Festland. Die Fähre schaukelt auf den Wellen und ich blicke an den fachsimpelnden Herren vorbei aufs sonnenblaue Meer und die schneebedeckten Cordillieren dahinter – PHÄNOMENAL!!!
Damit geht unsere wirklich schöne Zeit auf Chiloé zu Ende. Der Bauernhof war ein Überraschungstreffer. Eigentlich viel zu zweit weg von Valparaiso, von keiner unserer Reisebekanntschaften bisher bereist oder empfohlen und ohne genau hinzusehen angeschrieben, weil sonst einfach niemand auf meine Mitarbeitsangebote reagiert hat. Auch Guillermo, mein Ansprechpartner auf dem Bauernhof, meinte gestern rückblickend und lachend, dass sich eigentlich super viele Freiwillige für die Zeit, in der wir da waren, angemeldet hätten – aber keiner von denen ist gekommen. Stattdessen wir – wie schön für uns alle. Vielen Dank dafür! Auf dem Bauernhof gab es wie schon beschrieben und in Bildern gezeigt, nicht nur viele Tiere und einen Swimmingpool, sondern vor allem auch genau die richtigen Menschen zur richtigen Zeit. Die quirlige und Latinoamerica erfahrene erst 18jährige Französin, die zeitgleich mit uns ankam und wirklich jedes Auto dazu brachte, sie mitzunehmen, Agnes (deren Name Matilda zu lang war, um ihn sich merken zu können!) und Harold, mit denen ich Pudus gucken konnte und Kartoffeln schälen, Lisa natürlich, die mich an unsere Traumbucheintragungen erinnert hat und mit der das Trampen zur selbstverständlichsten Transportart wurde und mit der ich nebenbei viele spanische Worte lernen durfte (von den vielen schönen lebensweltwissenerweiternden Gesprächen ganz zu schweigen), die gesamte Bauernhoffamilie im engeren und weiten Sinne mit Schwestern und Omas und unendlich vielen Tias und Tios und eben in erster Linie mein Ansprechpartner im wörtlichsten Sinne – Guillermo, der mir so viele Fragen gestellt und so viele Dinge von sich erzählt hat, geduldig auf spanisch oder wackelig auf englisch. Wären da noch Kinder in Matildas und Antonias Alter gewesen, ich glaub, wir wären dort nicht mehr weg gekommen. Aber heute morgen haben wir es doch geschafft. Bevor die anderen wach waren, sind wir los. Guillermo hat uns bis zur Bushaltestelle gebracht mit unserem ganzen Gepäck. Er hat uns noch mal feste umarmt und nun sind wir wieder zu dritt alleine unterwegs. Allerdings hat er uns mitgeteilt, dass jede von uns jeder Zeit zurück kommen kann und wir jetzt ein zu Hause mehr haben. Ich konnte nicht anders als vor Freude darüber ein paar Tränen zu vergießen, denn wie schön ist dass denn bitte?!!!
Vor einer Woche war ich noch auf einem ganz anderen Planeten, nämlich dem aus Heu. Ich habe ja schon einige Arbeiten gemacht bei anderen Leuten und auch bei Landwirten, aber die Heuernte war bisher nicht dabei. Und weil das für mich etwas ganz besonderes war, will ich hier ein paar Worte darüber verlieren:
Guillermo oder schon seine Vorfahren haben dem Urregenwald Felder abgetrotzt, auf denen die Gräser hüfthoch stehen und allerlei Blümelein dazwischen leuchten. Wenn es 4 Tage am Stück niederschlagsfrei ist, werden sie erstmal von ihm per Traktor geschnitten, dann gewendet und dann kommt die Heublockpressmaschine zum Einsatz. Nicht wie bei uns häufig zu sehen in „Elefantenei“-Form, also so riesige in weiße Folie eingepackte runde Heuballen, sondern schöne eckige mit zwei Schnüren längs, fertig. Manche sind schwer wie Blei, weil noch nicht trocken, andere sind duftig leicht – naja,leichter eher. Entweder ich darf den Pickup mit Hänger hinten dran fahren und die Anderen laden auf oder ich lade mit auf oder zumindest ab. Davon abgesehen, dass das Hochheben und an seinen Platz bringen sehr anstrengend ist, fliegen immerzu 1000 kleine Trockengrasteilchen durch die Luft und in alle Kleider- und Körperöffnungen. Es piekst und kribbelt immer und überall. Beim Stapeln in der Scheune bekomme ich zwischendurch keine Luft mehr, weil auch die Atemluft voll ist von Staub und Pflanzenteilen. Uns weiblichen Helferinnen ist es ganz klar, dass wir die Heuballen zu zweit tragen oder werfen – geht ja dann doppelt so leicht. Sobald ein Mann dabei ist, wird er zum Tarzan oder Superman. Er wuchtet den Heuklotz selbstverständlich alleine durch die Gegend oder wirft ihn sogar unter lautem ächzen auf den Hänger oder in die dritte/ vierte/ fünfte Etage auf der Tenne. Ich muss jedes mal lachen über so viel Manneskraft und rausgeworfene Energie. Die Dusche danach ist herrlich! Das Kribbeln läßt langsam nach und Haut und Lunge atmen auf. 5 Tage dauerte die Heuernte, zwischendurch haben wir zwei Tage heufrei. Dann sind die Scheune und Tenne voll mit dem duftenden pieksenden Zeug. Listo!
An den letzten gemeinsamen Tagen mit Lisa machen wir noch mal Ausflüge auf der Insel. Zuerst wollen wir nach Dalcahue und weiter auf die Insel Quinchao. In Dalcahue essen wir erstmal Softeis oder Helado Soft wie es hier heißt. Dann decken wir uns mit Picknickleckereien im Supermarkt ein und setzen uns damit unten an die Uferpromenade. Zwei Frauen mit Kind tauchen auf und bitten um etwas Kleingeld. Lisa gibt ihr eine Nektarine. Eine setzt sich zu ihr eine zu mir und beide beginnen, uns aus der Hand zu lesen. Aha. Ich verstehe natürlich fast nix, kein Problem, denn ich weiß ja schon, dass mir eine rosige Zukunft ins Haus steht. Dann will meine irgendwas in meinem Geldbeutel segnen. Matilda wird fuchsteufelswild! Da sie weder bei mir noch bei Lisa weiter kommen, verziehen sich die Frauen schließlich mürrisch dreinblickend. Wie unangenehm! Es ist ja schön, dass ich so offen und unvoreingenommen bin, aber manchmal ist es eben doch auch gut, sich und seinen Geldbeutel zu verschließen. Danke Matilda!
Auf der Suche nach einer Toilette kommen wir am Markt vorbei. Kein Obst und Gemüse Markt sondern einer für die herrlichsten Schafwollprodukte! Die werden hier auf der Insel traditionell und hingebungsvoll in Handarbeit hergestellt. Lisa deckt sich mit Handschuhen und einem Stirnband fürs kalte Patagonien ein und ich kaufe ein wunderhübsches Portmonee und eine sommergrüne luftige Mütze. Die Mädels bekommen Zopfgummies mit Wollblumen dran, die man auch als Armband benutzen kann. Herrlich! Ein Reisender hat ein Minitheater aufgebaut, in dem er zu Kopfhörermusike die Puppen tanzen läßt. Lisa und Antoni sind begeistert und Antonia wird mir gleich als Sängerin und Puppenspielerin abgeworben. Glücklich klettern wir in den nächsten Bus, der an dem Stau vorbei auf die Fähre fährt. Der Bus ist sehr voll und so haben wir teil an dem, was unsere nächsten Nachbarn tun: Pokemons fangen. International bekannt und darum sehr verbindend. Ansonsten ist es eine Freude, aus dem Fenster auf grüne Hügel, bunte Häuser und blaues Meer zu schauen, das alles abwechselnd vorbei fliegt.
In Achao schauen wir uns die Kirche an, die die Fischer gebaut haben, anfangs ganz ohne Stahlnägel und sehr inspiriert von ihrem Bootsbau. Dann bummeln wir zum Strand, wo laute Musik – das bester der 70ger, 80er und 90ger – durch die salzige Luft weht. Wir essen auf, was noch übrig ist und sehen uns satt an den vielen Inseln vor uns im Meer und dem Treiben am Strand.
Dann schlendern wir zurück zum Busbahnhof. Alls all die Wartenden den letzten Bus stürmen wollen, fährt der einfach los und holt noch einen dazu, so dass alle Platz haben. Perfekt. Es ist schon fast dunkel, als wir an der Kreuzung aussteigen müssen, wo der Bus links abbiegt, wir aber nach rechts wollen. Wir strecken unsere Daumen raus und sitzen wenig später in einem Auto, dass uns dann sogar direkt bis zur Farm fährt. Klasse.
Am nächsten Tag wollen wir endlich zu den Pinguinos. Wir trampen wieder. Dieses Mal nach Norden, nach Ancud. Als wir am Busbahnhof nach einem Bus zu unserem Zielort fragen, bekommen wir zur Antwort, dass der eine Bus, der täglich dorthin fährt, vor einer Stunde weg ist. Was, nur ein Bus pro Tag? Also laufen wir los. In die Richtung, wo die Straße entlang führt, auf der wir wieder trampen können. Aber dann entdecken wir auf dem Weg ein Collectivo, auf dem vorne „Pinguinera“ drauf steht. Aber es ist kein öffentlicher Bus, sondern einer, der private Touren anbietet. Als Lisa den Preis um ein Drittel minimiert hat und mir wieder einmal Geld borgt, weil ich nicht genug dabei habe, geht es los. Wir fahren an einem ewig langen Strand entlang, auf dem man auch mit Auto fahren könnte, was einige tatsächlich tun. Es taucht eine Insel auf, direkt vor dem Strand, die ein bisschen aussieht, wie ein ins Meer geworfener Ball mit Bäumen drauf. Sie heißt so, wie das Geräusch, dass die Wellen machen, die dagegen schlagen. Wir fahren weiter und kommen schließlich zu einem Strand, auf dem schon viele Autos zu sehen sind und noch mehr Menschen und dann noch merkwürdige Käfige mit Rädern dran. Aha! Die Menschen klettern auf die Käfige und werden so trockenen Fußes zu den Booten geschoben, die im Wasser liegen. Schlau. Gleiches geschieht uns auch. Die Pinguin-guck-Bootstour dauert nur ne gute halbe Stunde, aber es gibt super viele kleine süße Pinguine zu sehen. Sie bekommen teilweise gerade neue Federn und sehen sehr pummelig aus. Der Mann, der uns über das was wir sehen informiert, hat eine quasi Ganzkörpergummihose an und sieht darum ebenfalls pummelig aus. Sehr passend.
Nach der Bootsfahrt wandern wir zum Aussichtspunkt (wir nehmen die falsche Treppe und klettern über Stacheldrahtzäune und Kuhweiden) und picknicken wieder ausgiebig. Nachdem ich Serienbilder von Matildas Handstandakkrobatik auf dem Aussichtspunkt gemacht habe und alle unnötigen Bilder löschen will, vernichte ich versehentlich die Fotos der letzten Tage gleich mit. Oh man, wie ärgerlich!
Der Rückweg mit unserem privaten Tourenguide ist noch mal sehr entspannt und lichtdurchflutet. Zu unserer Farm kommen wir wieder per Anhalter und sind pünktlich zum Sonnenuntergang (gegen 21:30!) zu Hause.
Nun haben wir zumindest ein wenig von der schönen Insel Chiloé gesehen, das war mir ein Bedürfnis. Nun ist es ist in Ordnung, weiter zu reisen und anderswo anderes zu entdecken. Heute zum Beispiel noch einen Strand und vielleicht sogar einen Wanderweg ein Stück hinauf zu einem Vulkan…
Bis=

Bauernhof Las Manzanos, Chiloé, Chile

… Mit 1 wöchiger Verspätung wegen kein Internet:

Liebe Insulaner und Mitarbeiter,

Wir haben es uns gemütlich gemacht mitten auf der schönen Insel Chiloé gut 1000km südlich von Valparaiso. Endlich hatte ein Work Away zugesagt, wo wir mithelfen kommen können. Es hätten sich zwar sehr viele Volontäre angemeldet, aber kommt doch einfach vorbei, dann finden wir schon einen Platz für euch – sagte mir Guillermo per Mail. Ich war so erleichtert! Endlich eine Anlaufstelle, wo wir das Leben hier in Chile miterleben und vielleicht sogar kostenlos schlafen und essen können und vor allem mal eine Weile sein und in Kontakt kommen mit den Einheimischen, nicht nur mit den vielen vielen vielen Reisenden.
Einen Zwischenstopp legen wir noch in Valdivia ein, einem kleinen Küstenstädchen dessen Name so bezaubernd klingt. Aber es ist dann doch nur ein Spanier, der es erobert hat und nach dem es dann auch benannt wurde. Egal. Ich habe keine Unterkunft reserviert und so gehen wir einfach los. An der ersten Tür, an die wir klopfen, ist kein Zimmer frei für uns. Mein Herz schlägt schneller. Meine Angst meldet sich: „und was, wenn wir nichts finden? Soll ich dann mit meinen Mädels auf der Straße übernachten?“ Und dann springt etwas an, was ich schon von anderen Reisen zu zweit oder mehrt kenne – wenn ich doch einmal unruhig werde, geht die Ruhe plötzlich und unerklärlich auf einen anderen Reisenden über. Jetzt beruhigt mich Matilda: „Mama, wir werden schon was finden und die Leute hier würden uns gar nicht auf der Straße übernachten lassen!“. Und tatsächlich haben wir schon 200 Meter weiter nach einigen Verhandlungen ein ganzes Häuschen (hier „Cabanas“ genannt) mit unten Küche und Bad und oben zwei Schlafzimmern für drei Nächte für uns. Das ganze sprengt zwar eigentlich wieder einmal meine Finanzplanung, aber ich beschließe, den ganzen Komfort – mein eigenes Schlafzimmer!!! – einfach zu genießen. Und das klappt super. Wir kochen überaus lecker in der Küche, schlafen gut und lange und genießen die heiße Dusche mit mini Badewanne. Und natürlich erforschen wir die Stadt und die Umgebung!!!
So, wie es bei uns in einigen Städten Nutria gibt, die einfach dazugehören und die zwar wild leben, aber sich an den Menschen gewöhnt haben, so gibt es in Valdivia Lobos, also Seehunde. Sie liegen faul auf extra verankerten „Badeinseln“ im Fluß vor dem Fischmarkt oder sie kämpfen auf der anderen Flußseite um den besten Platz in der Sonne. Schon beeindruckend, denn die männlichen Tiere, die Machos, sind wirklich groß und so schwer, dass die Plattform Schlagseite bekommt.
Auf der Suche nach einer Bank mit möglichst wenig eigenen Abhebegebühren, kommen wir an einem Secondhandladen vorbei bzw. kommen wir eben nicht vorbei, sondern Matilda stürmt ihn. Und dann werden stundenlang alle Kleider anprobiert, die auch nur annähernd der eigenen Körpergröße entsprechen. Es ist eine Freude. Und am Ende springen dann doch einige neue Kleidungsstücke für die hübschesten aller Mädels raus. Nur ich bin meinem Reisegrundsatz treu, dass weniger Gepäck mehr ist.
Danach will ich unbedingt in den botanischen Garten, der direkt an die Uni angegliedert ist. Die Damen werden immer unwilliger, wenn ich längere Strecken zu Fuß gehen will. Ich locke sie mit Eis und Smoothies oder mit Tieren und Picknick Oder am allerbesten mit baden. Der Garten ist perfekt: ein wenig wie bei uns zu Hause im Treptower Park schaut es aus, viele Rasenflächen und natürlich auch viele Bäume und Sträucher und Pflanzen, die wir nicht kennen oder doch. Auf einer lichtüberfluteten Wiese machen wir „Elfenfotos“ mit den neuen Kleidern und picknicken und freuen uns, dass viele Menschen diesen schönen Ort zum entspannen aufsuchen, besonders viele Studenten. Dann werden Bäume beklettert und Yoga-Übungen gemacht und beim verlassen des Parkes entdecke ich ein Schild, dass quasi alles verbietet, was wir gemacht haben oder andere haben machen sehen – Rasen betreten, picknicken, auf Bäume klettern, Hunde sowieso. Wir haben also alles richtig gemacht 😉
Am nächsten Tag will ich uns noch einen Tag am Meer schenken. Bald sind wir raus aus Chile und dann gibt es in Argentinien und Bolivien für einige Monate kein Meer mehr. Also. Wir besorgen Essen und finden die richtige Bushaltestelle und fahren nach Niebla. Die Endhaltestelle ist nur ein paar Meter vom Strand entfernt. In unserer Unterkunft wohnt auch eine chilenische Studentin, die für 10 Jahre in Deutschland gelebt hat und mit der wir uns angeregt auf deutsch unterhalten. Sie hat uns auch den Geheimtipp gegeben, dass wir am Ende des bevölkerten Strandes weiter über Felsen klettern können, um dann zu einem leeren Strand zu kommen. Genau so machen wir es und sind hellauf begeistert von der Klettertour. Es gibt riesige kraftvolle Wellen, die das blaue Wasser mit Schwung an die Felsen klatscht. Huiiiiii!!! Wir finden einen Platz zwischen den Felsen und chillen jede auf ihre Art. Ich blogge und die Mädels klettern weiter herum und entdecken und zwischendurch essen wir Mitgebrachtes. Am Ende finden meine Damen einen „Pool“ der schon ein wenig von der Sonne erwärmtes Meerwasser enthält, in dem es keine Monsterwellen gibt und der tief genug ist, um einmal nei zu ditschen. Herrlich, hi hi! wir klettern wieder zurück und genießen dabei den Sonnenuntergang und das Meeresbrausen.

Und am nächsten Tag geht es endlich weiter südwärts. Unsere Bustickets sind bis Ancud gebucht, das ist der erst Ort ganz im Norden der Insel Chiloé. Wir sollen dort gegen 15 Uhr ankommen. Entweder, wir finden noch eine Übernachtungsmöglichkeit oder aber ein Transportmittel zur Farm. Witziger Weise fährt unser Bus quasi direkt an der Farm vorbei und darum dürfen wir auf Nachfrage einfach sitzen bleiben. Der Busfahrer ruft sogar auf dem Bauernhof an, um zu erfragen, wo genau er uns denn rauslassen soll. Voll nett die Leute hier! Am späten Nachmittag laufen wir also mal wieder mit unserem gesamten Gepäck durch die Pampa und haben keine Ahnung, was uns erwartet. Wieder einmal nur gutes, welch ein Glück! Die Farmersleute sind, wie sich herausstellt, gerade in der nächsten Stadt beim Babybauch abtasten im Krankenhaus. Als wir sie und den Bauch sehen, wird klar, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis es schlüpft. Die Frau ist wahrlich ein Kugelfisch erster Güte. Am selben Tag ist noch eine französische Couchsürferin angekommen und tags zuvor eine deutsche Mithelferin und zwei Weltreisende Senioren in ihrem Wohnmobil. Also ihre Ruhe wollen die Bauern schon mal nicht haben!!! Zur Kernfamilie gehören noch die Oma und die Schwester des Bauern, die gerade mit ihrem 15 jährigem Sohn da ist und ein paar Tage später kommt noch der 18 jährige Neffe aus Valparaiso dazu. Hier ist was los. Aber gar nicht so, wie beim letzten Work Away in Arequipa, wo das Haus voller Fremder war. Hier ist wärmste Familie + genau die richtigen Menschen, die es hier her verschlägt und die entweder auch schnell Familie werden oder gleich wieder weiter ziehen. Ich bin wirklich begeistert. Guillermo ist so entspannt und herzlich und vor allem lustig, dass ich sogar auf spanisch mit ihm herum albere, die Küche ist der Ort für alle und das Essen ist lecker und reichlich. Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich und macht Spaß und es gibt wieder einmal genau die richtigen Tiere für die Kinder: Hühner und Kücken ohne Ende, Kühe 4 und Kälber 3, Hunde 2, Katzen 3 oder 4 und draußen fliegen grüne Loros/ Papageien in Schwärmen herum und andere lustige laute Vögel und wir haben schon ein Pudu mit Nachwuchs durchs Gebüsch laufen sehen. Matilda hat ein Entenküken adoptiert, das schon keine Mama mehr hatte, als wir hier ankamen. Es lebt in einer Kiste in der Küche und war bis Matilda sich verantwortlich fühlte tatsächlich ein hässliches kleines Entlein. Inzwischen ist es sauber und flauschig gelb und hat einen Doppelnamen (Ora weil wir nicht wissen, ob Junge oder Mädchen und PijuPiju, weil es so ein Geräusch macht 😉 Dazu ist das Internet noch ultralangsam oder gar nicht vorhanden – alles in allem ein wundervoller Ort. Wir schlafen in einem Extrahaus auf dem ausgebauten Dachboden zusammen mit Lisa aus Deutschland und die erste Woche auch mit Iljana aus Frankreich. Der Komfort besteht aus einer Matratze auf dem Boden und genug Decken, die uns in den recht kalten Nächten warm halten. Erstmals kommen unsere mitgebrachten Schlafsäcke sinnvoll zum Einsatz! Und wenn es tagsüber so richtig warm ist, dann könnte man auch in den Pool hüpfen, der mitten im Garten blau leuchtet.
Tagsüber sind wir draußen, entweder auf der Farm oder wir wandern durch einen Zauberwald, durch den Volontäre vor uns in mühevoller Arbeit einen Weg freigeschlagen haben. Der Bewuchs ist so dicht, dass man ohne Machete oder Motorsäge unmöglich auch nur einen Meter weit käme! Und was es da alles gibt an Pflanzen – so richtig Urwald ganz verschlungen und struppig mit Wurzeln und Farnen und Moos und 50 Shades of Green auf allen Ebenen bis ca. 20, 30 Meter Höhe.
Vor drei Tagen schlüpft wie nebenbei Emma aus dem Bäuerinnenbauch. Das Bauernhofleben geht davon unbeeinflußt weiter, nur freuen tun sich alle mit leuchtenden Augen. Schön, dass dieses Kind in eine so chaotisch herzliche Familie geboren wird, wo es genug Liebe und Lachen gibt, um zu wachsen und geborgen zu sein. Schön, dass ich dabei sein darf. Wie schön, dass du geboren bist…

Vorgestern sind wir spontan ausgeflogen, haben ein Zelt geborgt bekommen und Isomatten gekauft und haben ein kleines uns noch neues Stück der Insel angeschaut, Bodenschätze/ Münzen am Grunde eines Sees geborgen und Lemonpie gegessen. Abends gab es ein Lagerfeuer mit ersehntem Marshmallow rösten und um das Feuer tanzen und dann auch drüber hüpfen. Die Nacht war mir zu kalt und die Isomatte echt zu hart. Die Mädels hats mal wieder nicht gestört. Tse. Am zweiten Tag regnete es und wir haben es uns im Zelt gemütlich gemacht. Das war toll, denn es hat uns aufs angenehmste an unsere Zeltzeiten auf den Fahrradtouren erinnert. Als es am späten Nachmittag aufhörte zu regnen, sind wir noch ein Stück spaziert und haben dann gegen 7 den vorletzten Bus bekommen. Als wir um 9 in Castro ankommen, fährt nur leider kein Bus mehr in die Richtung unserer Farm. Ohje und nun? „Mama, wir können doch trampen!“ Können wir das? Es ist ja sehr üblich hier in Chile genau das zu tun und Iljana wurde auch wirklich vom allerersten Auto mitgenommen, aber wir drei mit Gepäck? Tatsächlich werden auch wir von einem der ersten Autos mitgenommen, nachdem ich mich überwunden habe, den Daumen auszustrecken – meine Mädels taten es mir hinter mir stehend gleich, was wirklich ein lustiges Bild gewesen sein muss. Wir sitzen hinten auf der Ladefläche des Pickups, denn drinnen ist kein Platz mehr und lassen uns den kalten Abendfahrtwind um die Nase wehen. Ich jauchze, denn wieder habe ich mich etwas getraut und wurde belohnt.
So, wir bleiben hier noch ne Woche oder 10 Tage, einfach weils hier so schön ist!
Fotos folgen…

Bis=iv

Valparaiso, Chile

Liebe Architekturanarchisten und Straßenkünstler,

Verrückt-phantastischer Weise sitze ich gerade zwischen Felsen am Meer nahe Niebla und erzähle jetzt von meiner neuen südamerikanischen Lieblingsstadt Valparaiso.
Hierher sind wir von San Pedro de Atacama geradezu geflüchtet. Raus aus der Wüste und vor den Touristenschwärmen, die das immer gleiche vorgesetzt bekommen und niemals weniger werden. Wir haben ein Busticket gekauft, welches sage und schreibe 70€ pro Person gekostet hat – so viel habe ich noch nie ausgegeben nicht mal für Deutsche Bahn Fahrkarten – und womit wir erstmals 24 Stunden am Stück unterwegs sind. Mittags um 12:30 geht’s los und wir können bis zum Sonnenuntergang die schier endlose Wüste vor den Fenstern bewundern. Oder daddeln. Vor der Nachtruhe sind genug Passagiere ausgestiegen, so dass jede von uns einen Zweierplatz für sich hat – Luxus. Als wir aufwachen, ist es schon nicht mehr ganz so wüst draußen, struppige Büsche sind immerhin zu sehen. Um 12 Uhr Mittags sind wir aber dankbar, unserem Ziel endlich näher zu kommen, die Popos wollen nicht mehr besessen werden und die Beinchen verlangen nach Bewegung.
Im Bus sitzt ein Pärchen neben uns, die ursprünglich aus der Schweiz kommen, aber auch schon seit über einem Jahr weltweit unterwegs sind. Sie haben schon ein Zimmer reserviert und ich frage vorsichtig, ob wir ihnen unauffällig folgen können. Sie stimmen zu und wir quetschen uns zusammen in ein Taxi. Es ist herrlich, einfach mal nur mit – statt selber zu machen. Und es ist ein Goldgriff, denn das Castle Hostal ist auf den ersten Blick eine Bruchbude und teuer dazu, aber auf den zweiten Blick ist es sehr liebevoll gestaltet und bestens ausgestattet und ab der zweiten Nacht zudem überraschend preiswert. Weil ich darauf bestehe, die „mas barato“ Variante für uns 3 zu bekommen, zeigt Rachel die Freundin vom Besitzer mir ein winzig kleines Zimmerchen. Darin steht ein Doppelstockbett vor einer Wand mit Möwen Aufklebern, es gibt einen selbst gezimmerten Schreibtisch mit Stuhl und ein Miniregal nebst einem Dielenboden und blauen Wänden. Klein aber fein. Das beste allerdings ist das riesige Fenster, welches direkt vor dem Bett den Blick auf die Dächer der Stadt und das Meer dahinter frei gibt. Die Lampen haben Schirme und das Fenster eine feste dunkle Gardine, so dass die Morgensonne uns nichts anhaben kann. Die blauen Wände ziehen sich durch das gesamte Hostal, wie auch der knarzende Dielenboden und die großen Fenster zur Stadt (das Hostal liegt ein Stück den Berg hoch, so dass der Blick herrlich ist, aber nicht zu weit oben, sodass man aus der Puste kommt). In der Küche gibt es alle Geräte und Werkzeuge, die das Essen zubereiten möglich und Spaß machen lassen. Das Klo hat einen Sitz und einen Deckel und es gibt sowohl Seife als auch ein Handtuch am Waschbecken und eine Waschmaschine – wow, so viel Inneneinrichtung und Feng Shui hatten wir schon lange nicht mehr! Da sich die zwei Mädels ein einfaches Bett teilen müssen, dem sie ohne Murren und Knurren sofort zustimmen!, legen wir die obere Etagenbettmatratze vor das Bett auf den Boden, wo ich schlafe und die Mädels schlafen entgegengesetzt im unteren Bett. Nun ist zwar eigentlich kaum noch Platz sich zu bewegen im Raum, aber das wollen wir auch gar nicht. Das Internet ist so gut, dass es sich lange auf der Matratzenlandschaft vor dem großen Fenster aushalten läßt. Zumindest für die Mädels. Ich ziehe mich lieber in den Empfangsbereich zurück, in dem Sofas stehen und das Internet noch besser ist. Die Kosten sind für chilenische Verhältnisse ausgesprochen gering: 15€ pro Nacht für uns drei ist ein guter Preis und so verlängere ich immer wieder um weitere Nächte. Einerseits fühlen wir uns wohl, andererseits weiß ich einfach nicht, wohin wir denn nach Valparaiso fahren können? Ich schreibe eine work away Bewerbung nach der anderen, aber es kommt einfach nix zurück. Manno!!! Ok, noch zwei Nächte bitte. Schließlich antworten zwei Beworbene und bei einem ergibt sich tatsächlich eine Mithilfemöglichkeit auf der entfernten Insel Chiloé. Juchuuu!!!
Tagsüber ist es zu warm in der Stadt zum herumlaufen. Das merken wir bereits am ersten Tag, nachdem wir ausgiebig den Nachtbus ausgeschlafen haben. Um 15 Uhr geht eine Tour for Tipps los vom Plaza Soto Mayor. Eine junge Eingeborene plappert munter auf englisch los und zeigt uns 3 Stunden lang ein kleines Fitzelchen ihrer Stadt. Das macht sie mit so viel Hingabe, dass es mir leicht fällt, mich mit zu begeistern für die Portenjos, wie die Einwohner von Valparaiso heißen und die Geschichte der Stadt mit ihren Wellblechhäusern in bunt oder rostig, den Teleféricos, den Bränden und Tsunamis, die die Stadt immer wieder bedrohten und den Einwanderern, die viel aus ihrem jeweiligen Heimatland mitbrachten. Es gibt viel deutsche – Alemanes – eine Feuerwehr, Plätze und Straßen und auch ein Bier. Meine Mädels sind begeistert. Und die Straßenkunst begeistert mich am allermeisten. 2014 gab es ein Streetartfestival und nachdem damals ein paar Leutchen ein paar Wände und Dächer besprüht oder bemalt haben und das wohl gut angekommen ist oder vielleicht auch einfach nur nicht verboten wurde, ist es zum Trend geworden. Von handgroß bis hauswandfüllend ist alles dabei, in schwarz-weiß oder kunterbunt, Muster, Menschen oder Materialmix. Wie ihr an den vielen Fotos vielleicht erkennen könnt, bin ich im siebten Himmel. Ich gehe zwischen 16 und 18 Uhr aus dem Haus und stromere über die Hügel und genieße, bis es um halb 9 dunkel wird. Dann ist es natürlich auf andere Weise wunderschön, auf das Lichtermeer zu blicken. Vom ehemaligen „Carcer“, also dem Gefängnis, der inzwischen ein sehr inselig-grünes Kulturzentrum ist, blicke ich mit Antonia auf der Mauer sitzend und Chips essend auf die dunkler werdende Stadt. Der Mond ist voll und rund und taucht das Meer in silbriges Licht – traumhaft schön!!!
Wir essen jeden Tag mittags Frühstück, weil vorher das Internet genutzt wird und wir auch wirklich mal ausschlafen. Es gibt Toast mit Käse überbacken und Zitronenwasser. Jeden Tag gibt es mindestens ein Eis, auch wenn es hier teuerer ist. Das gehört scheinbar zu unserer Familie dazu. Wir haben eine Softeisdiele entdeckt, in der das Eis cremig lecker schmeckt und für seine Größe einen angemessenen Preis hat. Außerdem haben die Portenjos eine Schwäche für Sushi, den sie auf ganz eigene südamerikanische Art – gerne mit Hühnchen natürlich – zubereiten. Das ganze nennt sich „Handrolls“. Wir lassen uns auch diese Spezialität schmecken. Abends kochen wir in der tollen Küche.
Einen Nachmittag fahren wir zum Strand nach Vina del Mar, einer mit Valparaiso verwachsenen Nachbarstadt, wo ein Hochhaus neben dem anderen steht und wo die reichen Leute wohnen und die Touristen. Meine Mädels wollen baden. Ich glaub, das ist einer der bevölkertsten Strände, die ich je gesehen habe. Eine Familie neben der nächsten, dazwischen Hunde und laut wummernde Musik. Ich muss lachen, weil es einfach der Wahnsinn ist. Wir finden einen Schattenplatz neben einem Hund und 500 anderen Menschen. Die Brandung ist mordsmäßig! Ich lasse die Mädels nur ungern ohne mich ins Wasser, aber ich muss auf unseren Platz und unser Zeug aufpassen. Sie dürfen nur zusammen los. Irgendwann kommen sie völlig versandet und ganz ohne erkennbare Frisur zu mir zurück – Mama, das sind Tsunamiwellen!!! Und tatsächlich donnern sie den steilen Strand hinauf, die Menschen kreischen und schon schwappt das Wasser über Flipflops und Strandhandtücher. Die Hunde bewegen sich weg vom nass, aber deutlich gemächlicher als die aufgescheuchten Menschen. Auch ich muss fliehen, obwohl ich doch echt weit hinten sitze! Matilda und Antonia kommen zitternd zu mir und erzählen vom Wellenabenteuer. Ich gehe auch mal näher ans Wasser und bin beim Kontakt überrascht, wie kalt es ist – saukalt! Ich schaue zu, wie die Menschen durcheinander gewirbelt werden, gut das die meinen wieder heil da raus gekommen sind.
Am letzten Tag stehen plötzlich noch mal unsere Reisefreunde Almuth und Fridtjof vor uns im Hostal – welch schöne Überraschung! Sie hatten den Hostal Tipp von den Schweizern, denen sie in der Wüste begegnet waren. Witzig. Ich habe kürzere Haare seit unserer letzten Begegnung und sie sind verlobt. Reiseveränderungen. Wir quasseln los, um uns auf den neuesten Stand zu bringen und schließlich laufen wir los, damit sie den Eisdealer kennen lernen und den besten Weg hoch auf die Cerros. Sie erzählen vom Erdbeben der letzten Nacht, das sie hautnah wackelnd und ziemlich verunsichert miterlebt haben. Ich hatte nur kurz das Gefühl, eine U-Bahn würde unter unserem Haus durchfahren. Wir lassen sie in unserem schönen Hostal zurück und treffen uns wohl erst in Deutschland wieder – vielleicht ja zu ihrer Hochzeit mit Antonia als Brautjungfer? 😉
Dann laufen wir zum Terminal und klettern in unseren nächsten Nachtbus ohne zu wissen, wohin wir genau fahren und vor allem, ohne zu wissen, wo wir dann schlafen werden. Ich übe mich in Vertrauen…

Bis=iv

Fotos Valparaiso, Chile

Eine neue Lieblingsstadt von mir und uns, weil wir uns sehr wohl gefühlt haben dort im Hostal mit großem Fenster und Blick auf die Stadt und das Meer dahinter und innen viel blau und super Internet. Und die Stadt selbst ist voller Bilder und Geschichten…

Unser Zimmer mit aus-dem-Fenster-Blick:

 

Meine Bilder der Bilder der Anderen + Stadtansichten:

 

 

 

Leckerizitäten:

 

Und der Strand in Vina del Mar:

 

Text folgt.

Bis=iv